Taizé-Gebet zum Wochenende - jeden ersten Freitag im Monat

Seit Juni 2017 findet wieder ein Taizé-Gebet zum Wochenende statt - nun monatlich, immer am ersten Freitag im Monat um 19:00 Uhr in der Nikolauskirche.

Die Taizé-Andacht dauert ca. 35 Minuten und hat folgenden Ablauf:

  • Gesang zur Einstimmung
  • Psalm mit gesungenem Kehrvers
  • Schriftlesung (und Gedanken zum Bibeltext)
  • Gesang nach der Schriftlesung
  • Stille
  • Fürbitten mit gesungenem Kyrie
  • Vaterunser, Schlussgebet und Segenswort
  • Gesang zum Abschluss

Wir laden ein, die sinn- und kraftstiftende Gemeinschaft von singenden, schweigenden und betenden Menschen und ihre Begegnung mit Gott zu erleben und daran teilzunehmen.

Die Elemente des Taizé-Gebets

Mit Gesängen beten

Die einfachen, berührenden Gesänge von Taizé werden mehrmals gesungen, sie schaffen die meditative Atmosphäre dieser Andachtsform und führen in die Stille.

Mit Gesängen beten ist eine wesentliche Form der Suche nach Gott. Kurze, stets wiederholte Gesänge schaffen eine Atmosphäre, in der man gesammelt beten kann. Der oftmals wiederholte, aus wenigen Wörtern bestehende und schnell erfasste Grundgedanke prägt sich allmählich tief ein. Meditatives Singen ohne jede Ablenkung macht bereit, auf Gott zu hören. Alle können im gemeinsamen Gebet in solche Gesänge einstimmen und zusammen ohne engeren zeitlichen Rahmen der Erwartung Gottes Raum geben.
Wo es Vertrauen auf Gott zu wecken gilt, sind Stimmen von Menschen, die sich im Gesang vereinen, unersetzlich. Ihre Schönheit lässt – wie die Christen in der Ostkirche sagen – etwas von der „Freude des Himmels auf der Erde" spüren. Inneres Leben kann sich entfalten.

 

Mit Psalmen beten

„Leihe uralte Worte aus, um das Unaussprechliche zu sagen.“ Mit diesen Worten lädt die Lebensregel der Diakonissen von Reuilly ein, die Psalmen zu beten.
Uralte Worte: Die Worte der Psalmen sind mehrere tausend Jahre alt. Sie sind aus dem Hebräischen in viele Sprachen übersetzt worden. Unzählige Menschen haben sich diese Worte zu Eigen gemacht und mit Ihnen gebetet. Jesus sprach die überlieferten Gebete seines Volkes; auch die Christen griffen von Anfang an darauf zurück. Wer Psalmen betet, stellt sich in die große Gemeinschaft der Glaubenden.
Es sind nicht ureigene Worte, die wir formuliert haben. Wir leihen sie aus, so heißt es in der Lebensregel. Doch sie bleiben uns nicht fremd. Sie können zu unseren eigenen Worten werden, in denen wir uns aussprechen.
In den Psalmen erkennen wir unsere eigene Stimme. In ihnen spiegelt sich unser Leben. Freude und Traurigkeit, Gottvertrauen, innerer Durst und sogar Angst kommen in den Psalmen vor. Wenn der Psalm ein Gebet ist, beten wir. Wenn er ein Klagelied ist, teilen wir sein Leid. Wenn er Ausdruck der Freude ist, lässt er uns froh sein. Wenn er voll Hoffnung ist, hoffen wir mit ihm. Wenn er Angst zum Ausdruck bringt, fühlen wir uns mit unserer Angst in ihm aufgehoben.
Für jedes Taizé-Gebet verwenden wir einen ausgewählten Psalm. Die Verse werden abwechselnd von zwei Anwesenden gelesen. Nach jedem Vers antworten alle mit einem gesungenen Gebetsruf.
Wenn wir mit den Worten der Psalmen beten, bedeutet das, dass wir eintreten in einen Raum des Gebetes, der vor uns da ist und in dem viele Menschen eine Möglichkeit gefunden haben, sich in einer vorgeformten Sprachgestalt mit ihren ganz persönlichen Anliegen auszudrücken. Wir können uns hörend, tastend und einfühlend hineinnehmen lassen in das uns zugesprochene Wort, in dem wir uns selbst finden und aussprechen.

 

Lesung

Wer die Bibel liest, geht zur „unversiegbaren Quelle, aus der der dürstende Mensch Gott selbst trinkt“ (Origenes, 3. Jh.). Die Schrift ist ein „Brief Gottes an sein Geschöpf“, der „Gottes Herz in Gottes Wort enthüllt“ (Gregor der Große, 6. Jh.).

 

Stille

Zum Taizé-Gebet gehört eine längere Zeit der Stille (ca. 5-6 Minuten). Gemeinschaft mit Gott lässt sich nur sehr begrenzt in durchdachte Worte fassen. Die Stimme Gottes verstummt nie, Gott drängt sich aber auch niemals auf. Oft lässt sich seine Stimme wie in einem Flüstern, einem Stillehauch vernehmen.
Es ist schon Gebet, wenn man still in seiner Gegenwart verweilt, um seinen Geist zu empfangen. Durch den Heiligen Geist betet Christus tief im Menschen mehr, als wir es uns vorstellen können. Es gilt, in der Stille mit kindlichem Vertrauen Christus inwendig beten zu lassen. Und eines Tages entdeckt man, dass die Tiefen des Menschen bewohnt sind.
Wie kann man zu innerer Stille gelangen? Manchmal schweigen wir, aber in uns diskutieren wir heftig weiter, stellen uns eingebildeten Partnern oder kämpfen mit uns selbst. Es erfordert eine gewisse Einfachheit, damit die Seele zum Frieden finden kann: „Ich gehe nicht um mit Dingen, die mir zu wunderbar und zu hoch sind.“ Stille halten heißt erkennen, dass ich nicht viel ausrichten kann, wenn ich mir Sorgen mache. Stille halten heißt Gott überlassen, was außerhalb meiner Reichweite und meiner Fähigkeiten liegt.
Die Erfahrung des Elija (1. Könige 19) zeigt, dass Gott nicht beeindrucken, sondern verstanden und empfangen werden will. Gott hat „eine Stimme schwebender Stille“ gewählt, um etwas zu sagen. Das ist ein Paradox: Gott ist still und spricht dennoch. Die Stille bereitet den Menschen auf eine neue Begegnung mit Gott vor.

 

 

Lange Nacht über die Brüdergemeinschaft von Taizé im Deutschlandfunk

Deutschlandfunk Feature: "Euer Herz verzage nicht" - Lange Nacht über die Brüdergemeinschaft von Taizé, in 3 Teilen (veröffentlicht am 12.06.2017)

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